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10. Juni 2026 8 Min.

Examensvorbereitung: Dein Plan ab 6 Monaten

Sechs Monate vor dem Examen beginnt bei vielen langsam die Panik.

Man hat das Rep gemacht oder steckt noch mittendrin, hat schon einige Klausuren geschrieben und trotzdem das Gefühl, dass man viel zu wenig weiß. Gleichzeitig gibt es noch unzählige Themen, die man eigentlich wiederholen müsste.

Und dann kommt die Frage: Wie soll ich das alles noch schaffen?

Die gute Nachricht ist: Sechs Monate sind eine ganze Menge Zeit. Vorausgesetzt, du nutzt sie sinnvoll.

Was du jetzt vor allem brauchst, ist kein Lernplan, bei dem du jeden Tag zwölf Stunden am Schreibtisch sitzt. Du brauchst eine Struktur, die du über mehrere Monate durchhalten kannst und die dich Schritt für Schritt näher an die Klausuren bringt.

Dabei würde ich die sechs Monate nicht alle gleich gestalten. Am Anfang steht noch stärker das Wiederholen und Schließen von Lücken im Vordergrund. Je näher das Examen kommt, desto wichtiger werden Klausuren, Zeitmanagement und die Arbeit an deinen eigenen Schwachstellen.

Die ersten beiden Monate: Grundlagen aufräumen

Wenn du ungefähr sechs Monate vor dem Examen stehst, solltest du zunächst einmal ehrlich schauen, wo du eigentlich stehst.

  • Welche Rechtsgebiete sitzen schon ganz gut?
  • Wo hast du größere Lücken?
  • Welche Themen hast du zwar einmal gelernt, könntest sie jetzt aber nicht mehr erklären?

Gerade wenn du ein Rep besuchst oder besucht hast, solltest du nicht einfach noch einmal von vorne alles durchlernen, nur weil es auf dem Plan steht.

Schau dir stattdessen an, was du tatsächlich kannst.

Die Grundlagen sollten in dieser Phase möglichst sicher werden. Dazu gehören vor allem die wichtigen Anspruchsgrundlagen, Aufbauten, Definitionen und die typischen Probleme, die dir in Klausuren immer wieder begegnen.

Dabei würde ich nicht versuchen, jedes Detail auswendig zu lernen. Im Examen bringt es dir wenig, wenn du einen Meinungsstreit von vor fünf Jahren auswendig kennst, aber bei der Frage, welche Anspruchsgrundlage überhaupt einschlägig ist, ins Stocken gerätst.

Gerade am Anfang gilt deshalb:

Erst das Grundgerüst festigen, dann in die Details gehen.

Klausuren solltest du trotzdem schon schreiben

Ein Punkt, den ich bei der Examensvorbereitung besonders wichtig finde: Warte mit den Klausuren nicht, bis du den gesamten Stoff kannst.

Diesen Zeitpunkt wirst du nämlich wahrscheinlich nie erreichen.

Es gibt immer noch ein Thema, das man wiederholen könnte. Eine Definition, die man noch nicht perfekt kann. Eine Rechtsprechung, die man noch nicht gelesen hat.

Trotzdem musst du irgendwann anfangen, dein Wissen anzuwenden.

Eine Klausur muss dabei am Anfang auch nicht perfekt laufen.

Im Gegenteil: Gerade die ersten Klausuren können ziemlich ernüchternd sein.

Du stellst vielleicht fest, dass du zwar weißt, was ein Eigentumsvorbehalt ist, aber in einem komplizierten Sachverhalt nicht erkennst, dass genau dieser eine Rolle spielt.

Oder du kennst den Aufbau der Anfechtung, übersiehst aber im Sachverhalt die entscheidende Erklärung.

Das ist ärgerlich – aber gleichzeitig unglaublich hilfreich.

Denn genau dafür schreibst du Klausuren.

Monate vier und fünf: Jetzt wird es ernst

Spätestens ab ungefähr vier Monaten vor dem Examen würde ich den Schwerpunkt langsam verschieben.

Jetzt sollte die Klausurbearbeitung deutlich mehr Raum einnehmen.

Du solltest regelmäßig Klausuren schreiben und vor allem anfangen, deine Fehler zu analysieren.

Denn nur eine Klausur zu schreiben und danach die Musterlösung durchzulesen, bringt dich nicht besonders weit.

Interessanter ist die Frage:

  • Warum habe ich diesen Punkt nicht gesehen?
  • War die Anspruchsgrundlage falsch?
  • Habe ich ein Problem übersehen?
  • War mein Aufbau falsch?
  • Habe ich zu viel Zeit an einer unwichtigen Stelle verbraucht?
  • Oder wusste ich die Lösung eigentlich, konnte sie aber nicht vernünftig auf den Sachverhalt anwenden?

Diese Fragen solltest du dir nach jeder Klausur stellen.

Deine Fehlerliste wird immer wichtiger

Ich würde dir deshalb empfehlen, eine kleine persönliche Fehlerliste zu führen.

Nicht zehn Seiten pro Klausur. Das macht niemand dauerhaft.

Es reicht, wenn du dir kurz notierst, was dir aufgefallen ist.

Zum Beispiel:

Zivilrecht: Annahmeverzug unsicher; Aufbau § 280 BGB wiederholen.
Strafrecht: Rücktritt vom Versuch; Abgrenzung Mittäterschaft/Beihilfe.
Öffentliches Recht: Zulässigkeit Anfechtungsklage; Ermessensfehler.

Nach einigen Wochen erkennst du wahrscheinlich bestimmte Muster.

Vielleicht taucht immer wieder dasselbe Problem auf. Dann weißt du, woran du arbeiten musst.

Und genau das ist viel sinnvoller, als jeden Sonntag einfach wieder „Zivilrecht wiederholen“ in den Lernplan zu schreiben.

Zwei Monate vor dem Examen: Möglichst klausurnah arbeiten

In den letzten zwei Monaten sollte deine Vorbereitung immer stärker an die tatsächliche Examenssituation herankommen.

Das bedeutet auch, dass du vollständige Klausuren unter echten Bedingungen schreiben solltest.

Wenn du fünf Stunden Zeit hast, dann schreib die Klausur auch in fünf Stunden.

  • Handy weg.
  • Keine Lösung neben dir.
  • Keine Pause alle 20 Minuten, weil du gerade keine Lust mehr hast.

Du musst lernen, mehrere Stunden am Stück konzentriert zu arbeiten. Auch das gehört zur Examensvorbereitung.

Und natürlich wirst du dabei merken, dass Klausuren irgendwann auch körperlich anstrengend werden.

Das ist normal.

Deshalb solltest du diese Belastung nicht erst im Examen kennenlernen.

Der letzte Monat: Nicht mehr alles neu lernen

Der letzte Monat ist meiner Meinung nach nicht der richtige Zeitpunkt, um noch einmal drei neue Skripte anzufangen.

Jetzt solltest du vor allem das festigen, was du bereits gelernt hast.

  • Deine eigenen Übersichten.
  • Deine Fehlerlisten.
  • Wichtige Schemata.
  • Definitionen.
  • Typische Klausurprobleme.
  • Und natürlich weiterhin Klausuren.

Wenn du jetzt noch große Lücken entdeckst, kannst du diese natürlich bearbeiten. Aber versuche nicht, plötzlich den kompletten Examensstoff in vier Wochen nachzuholen.

Das führt meistens nur zu Stress.

Du wirst auch kurz vor dem Examen wahrscheinlich noch Themen finden, bei denen du denkst:

„Das kann ich überhaupt nicht.“

Das bedeutet nicht automatisch, dass deine Vorbereitung schlecht war.

Es bedeutet vor allem, dass der Examensstoff riesig ist.

Und was ist mit der mündlichen Prüfung?

Die mündliche Prüfung würde ich während der schriftlichen Vorbereitung nicht komplett ausblenden.

Du musst aber auch nicht sechs Monate vorher jeden Abend aktuelle Rechtsprechung auswendig lernen.

Es reicht zunächst, wenn du dir langsam angewöhnst, juristische Fragen auch einmal laut zu beantworten.

Warum ist das sinnvoll?

Weil du beim Schreiben viel Zeit hast, deine Gedanken zu sortieren. In einem Prüfungsgespräch musst du dagegen relativ schnell reagieren.

Du kannst beispielsweise beim Lernen immer wieder versuchen, dir selbst eine Definition laut zu erklären oder einen Fall ohne Blick in die Unterlagen zu lösen.

Aktuelle Rechtsprechung und aktuelle rechtspolitische Themen kannst du dann insbesondere nach den schriftlichen Prüfungen intensiver angehen.

Wie viele Stunden sollte ich eigentlich lernen?

Hier würde ich mich nicht zu sehr an irgendwelchen Stundenangaben festhalten.

Natürlich musst du für das Examen viel lernen. Aber acht Stunden am Schreibtisch bedeuten nicht automatisch acht Stunden effektives Lernen.

Wenn du sechs Stunden wirklich konzentriert gearbeitet hast, Fälle gelöst, Klausuren ausgewertet und deine Schwächen bearbeitet hast, kann das deutlich mehr bringen als ein ganzer Tag, an dem du hauptsächlich Skripte durchblätterst.

Plane deshalb lieber so, dass du deinen Alltag über mehrere Monate durchhalten kannst.

Und plane Pausen ein.

Auch freie Tage sind kein Zeichen dafür, dass du deine Examensvorbereitung nicht ernst nimmst. Wenn du sechs Monate lang jeden Tag an deine absolute Belastungsgrenze gehst, wird es irgendwann schwierig, noch konzentriert zu arbeiten.

Ein möglicher Plan für die letzten sechs Monate

Natürlich sieht jede Examensvorbereitung etwas anders aus. Als grobe Orientierung kann dein Plan aber ungefähr so aussehen:

  • 6 Monate vorher: Grundlagen wiederholen, Wissenslücken feststellen, Rep sinnvoll nacharbeiten.
  • 5 Monate vorher: Weiterholen und gleichzeitig regelmäßig Fälle bearbeiten. Erste Klausurroutine aufbauen.
  • 4 Monate vorher: Mehr Klausuren schreiben und mit der gezielten Fehleranalyse beginnen.
  • 3 Monate vorher: Klausuren werden zum festen Bestandteil der Vorbereitung. Schwächen gezielt nacharbeiten.
  • 2 Monate vorher: Möglichst viele realistische Klausursituationen schaffen. Zeitmanagement verbessern.
  • 1 Monat vorher: Wiederholen, festigen und bekannte Schwachstellen bearbeiten. Keine großen Lernexperimente mehr.
  • Nach den schriftlichen Prüfungen: Fokus auf die mündliche Prüfung, aktuelle Rechtsprechung und das freie juristische Argumentieren.

Das ist kein Plan, den du genauso übernehmen musst.

Vielleicht brauchst du im Zivilrecht deutlich mehr Zeit als im Strafrecht. Vielleicht bist du bei Klausuren schon sehr sicher, hast aber noch große Wissenslücken.

Dann muss dein Plan entsprechend angepasst werden.

Was du nicht vergessen solltest

Bei all den Lernplänen, Klausuren und Wiederholungen gibt es eine Sache, die schnell verloren geht:

Du musst nicht jeden Tag das Gefühl haben, Fortschritte zu machen.

Es wird Tage geben, an denen du sechs Stunden lernst und abends trotzdem denkst, dass du nichts behalten hast.

Es wird Klausuren geben, die deutlich schlechter laufen als erwartet.

Und es wird Themen geben, die du zum dritten Mal wiederholst und trotzdem nicht sofort abrufen kannst.

Das gehört zur Examensvorbereitung dazu.

Wichtig ist, dass du dich davon nicht jedes Mal komplett aus dem Konzept bringen lässt.

Schau lieber regelmäßig auf einen längeren Zeitraum.

  • Was konnte ich vor zwei Monaten noch nicht?
  • Welche Klausurprobleme habe ich mittlerweile im Griff?
  • Welche Themen fallen mir inzwischen leichter?

Du wirst wahrscheinlich feststellen, dass du mehr kannst, als du während der täglichen Lernerei manchmal denkst.

Fazit

Sechs Monate vor dem Examen musst du nicht perfekt vorbereitet sein.

Du solltest aber anfangen, gezielt zu arbeiten.

Am Anfang geht es vor allem darum, deine Grundlagen zu festigen und größere Lücken zu schließen. Danach sollte die Klausurpraxis immer wichtiger werden. In den letzten Wochen geht es schließlich darum, das Gelernte zu stabilisieren und möglichst examensnah zu arbeiten.

Und vielleicht der wichtigste Punkt:

Versuche nicht, in sechs Monaten alles zu können.

Versuche, in sechs Monaten so gut wie möglich darin zu werden, juristische Fälle zu lösen.

Denn genau das wirst du im Examen brauchen.